Bist Du ein schwieriger Mensch?

Teufelchen

 

Gibt es so etwas wie schwieriges Obst? Ja, vielleicht Quitten – die sind ganz schön schwer zu schälen. Aber die Marmelade schmeckt extrem lecker!

Gibt es schwieriges Wetter? Ja, es gibt sicher Wetter, mit dem ich oder mein Auto schwer zurechtkommen. Da haben wir aber nicht alle die gleiche Einschätzung. Manche fahren bei Schnee und Eis sehr gerne – ich eher nicht. Wenn Wetter mir das Fahren oder Laufen schwierig macht, ist aber nicht das Wetter schwierig – sondern mein Umgehen damit ist erschwert.

Gibt es schwierige Kleidung? Manche Menschen tun sich schwer mit Schnürsenkeln. Die finden Schuhe zum Binden schwierig. Anderen fällt das Einfädeln von Reißverschlüssen schwer – die finden Jacken mit Reißverschlüssen schwierig. Sind dann der Schuh oder die Jacke schwierig?

Zur Definition von „schwierig“ findet sich im Internet der Vergleich mit „anstrengend, herausfordernd, aufwendig, beanspruchend, komplex, mühsam, verzwickt, diffizil“ – im Gegensatz zu „einfach, leicht und simpel“.

Doch nun zur Kern-Frage: „Bist Du ein schwieriger Mensch?“

Gibt es überhaupt „schwierige Menschen“? Wie viele von uns sind „schwierig“ – und was ist überhaupt ein „schwieriger Mensch“?

Ich habe eine Reihe von Arbeitskollegen, Bekannten und Freunden befragt, was für Sie ein „schwieriger Mensch“ ist. Die Antworten lassen sich in etwa so gruppieren:

– ein Mensch der ganz andere Werte hat und meine Werte nicht achtet – mit dem ich daher in Auseinandersetzungen gerate, weil ich ihn als besserwisserisch, übergriffig, egozentrisch oder sogar asozial erlebe

– ein Mensch, der ganz anders denkt, handelt oder tickt als ich – den ich deshalb nicht verstehe

– ein Mensch der sich so verhält, dass er mir schadet – ich habe mehr Arbeit, Unannehmlichkeiten, Ärger und schlechte Gefühle wegen ihm

– ein Mensch der im Umgang anstrengend ist – weil er sich nicht an mich und die Gruppe „anpasst“

– ein Mensch, der alles „zu sehr“ hinterfragt, der mehr Trennendes als Verbindendes benennt, der Defizit-orientiert ist

– ein Mensch, der launisch, arrogant, jammernd oder meckernd ist.

Kann ein Mensch schwierig sein „per se“ – oder ist das nicht immer völlig subjektiv aufgrund der eigenen Werte, Vor-Erfahrungen, Projektionen, Übertragungen und Erinnerungen an Menschen, die so ähnlich mit ihm umgegangen sind?

Anna kann für Bernd schwierig sein, wenn es darum geht, einen Kompromiss auszuhandeln. Vielleicht ist sie besonders hartnäckig – und damit hat er schlechte Erfahrungen. Für Chris kann Anna jedoch völlig unproblematisch sein, weil die beiden nie einen Kompromiss aushandeln, sondern einfach nur miteinander ins Kino gehen. Aufgrund der Schwierigkeiten, die er hat, könnte Bernd Anna jetzt als schwierig bezeichnen und meint es dann vermutlich nicht positiv.

Ist der Dalai Lama schwierig?

Oder war es Mutter Teresa? Für manche Menschen ganz sicher. Ist der Stempel „schwierig“ immer negativ? Ist eine schwierige Bergtour etwas Negatives? Das hängt doch von der Leistungsfähigkeit und dem Willen des Bergwanderers ab. Ist ein schwieriger Tanzschritt negativ? Oder ein schwieriges Klavierstück? Merkwürdig, ein Künstler wird doch bewundert, wenn er ein besonders schwieriges Stück spielen, singen oder tanzen kann. Warum empfinden wir „schwierige Menschen“ als negativ – im Gegensatz zum schwierigen Klavierstück oder einem schwierigen Theaterstück?

WP4Phone_20151031121256_2In meiner Freizeit wandere ich gern. Nehmen wir mal an, ich bin dabei, mir für das nächste Wochenende eine Wanderroute auszusuchen. Ich finde beim Blättern eine, die mir gefällt. Die Höhenmeter sind machbar, die Gesamtstrecke ist angenehm. Die Streckenführung sieht wunderbar aus, die Fotos begeistern mich. Dann komme ich zur Kategorisierung des Schwierigkeitsgrades – diese Route ist als „schwierig“ kategorisiert. Jetzt habe ich drei Reaktions-Möglichkeiten:

  1. „Schwierig passt nicht zu mir, will ich nicht, das tu ich mir nicht an. Ok – dann ist diese Route raus.“
  2. „Das ist mir noch eine Nummer zu groß. Vielleicht schaff ich die im nächsten Jahr; werde zwischendurch trainieren und dann schauen wir mal.“
  3. „Schwierig? wie kann diese schöne Route denn schwierig sein? das darf doch gar nicht sein! die muss doch einfach sein – das ist doch unfair – die soll sich bitte ändern….“

Ja – ein bisschen überzeichnet – das musste grade mal sein.

Ich nutze meine freie Zeit auch gerne für Singen und Gitarre spielen und wenn ich Zeit finde werde ich auch wieder in einen Zumba-Kurs gehen. Das Wander-Beispiel lässt sich hierauf gut übersetzen. Tanzschritte oder Musikstücke können sich schwierig darstellen, auch ein Buch zum Lesen, ein Film, eine Motorrad Route oder Fahrradstrecke, ein Tennis-Match-Gegner, egal was. In allen Beispielen habe ich Wahlmöglichkeiten, wie ich auf eine Herausforderung reagiere. Nennen wir sie „Zurückscheuen/Abhaken – Heranwagen/Hinzulernen – Anklagen/Abstempeln“.

Was passiert, wenn ich diese Möglichkeiten übertrage?

Lege ich einen „schwierigen Menschen“

  1. zur Seite,  und  will nichts mehr mit ihm zu tun haben, weil er mir einfach zu anstrengend ist  (Zurückscheuen / Abhaken)
    oder
  2. denke ich, dass der sich gefälligst ändern soll, weil er ja schließlich schwierig ist  (Anklagen /Abstempeln)
    oder
  3. sage ich „ich kann ja trainieren“ – (Heranwagen / Hinzulernen) und das könnte auch heißen, ich spreche mit dem Menschen, denn im Gegensatz zu einer Wanderroute und zu einem Buch ist ein Mensch ja  zu Veränderung fähig, und vielleicht auch  bereit.

Die Bezeichnung „schwieriger Mensch“ kann niemals objektiv sein. Jemand kann nur „für mich“ oder Dich oder andere schwierig sein – zum Beispiel in der Kommunikation, in Reaktionen und Verhaltensweisen. Und das ist völlig subjektiv.

So lange ich meinem Gegenüber nicht sage, was mir den Umgang erschwert – wie kann der andere sich dann für mich verändern? Vermutlich wird es auch nötig sein, dass ich mich ein Stück verändere – gemeinsam wäre die Chance am größten.

Gibt es Menschen, die für Dich schwierig sind?

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Falls ja – sprichst Du sie darauf an? Wenn du mit mir nicht darüber sprichst, wobei ich für dich schwierig bin, dann kann ich nichts dazu beitragen, das zu ändern.

Darf ich dir demnächst sagen, wenn du für mich schwierig bist? Darf ich mit deiner Mithilfe rechnen, wenn ich möchte, dass wir leichter miteinander umgehen können?

Ich glaube, wir können daran nur gemeinsam arbeiten, denn welcher Anteil von meinem Verhalten es schwierig für dich macht, das kann ich nicht wissen. Ich kann es ahnen, vermuten, projizieren, hineininterpretieren und 100 km daneben liegen.

Und bitte nicht vergessen: die Alternative zu „schwierig“ ist „simpel, leicht, einfach“. Also, ganz ehrlich, ein einfacher Mensch wäre ich ganz gerne – aber ein simpler Mensch – nein, das ist nicht mein Ziel. Da bleibe ich lieber ein bisschen schwierig ;-)))  In diesem Sinne wünsche ich ein angenehmes Miteinander – fruchtbar und gewinnbringend – auch wenn es manchmal schwierig werden sollte.

mit leichten Grüßen

Lydia Gajewsky

 

 

 

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